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NEU: Ausdruckstanz und Bauhausbühne
23.05. bis 29.09.2019

Im Zentrum der Ausstellung, die aus Anlass des 100jährigen Bauhausjubiläums stattfindet, stehen die an dieser Schule entwickelten, noch heute erstaunlich modern wirkenden Tänze. 

Sie unterschieden sich radikal von anderen Tanzstilen der Zeit. Doch sie waren nicht ohne Voraussetzung: Erstmals wird mit der Ausstellung und der sie begleitenden Publikation das Verhältnis zwischen dem Ausdruckstanz, welcher sich im Rahmen der Reformbewegungen nach 1900 entwickelte, und den Bauhaustänzen ausgelotet.
Dass sich Bauhausmeister für neue Tanzstile interessierten und mit eigenen Arbeiten darauf reagierten, ist ebenso zu belegen wie das Interesse namhafter Ausdruckstänzerinnen für das Bauhaus. Und trotz vieler offensichtlicher Unterschiede lassen sich gedankliche Verbindungslinien zwischen den Intentionen des Bauhauses und anderen modernen Tanzgestaltungen der Zwanzigerjahre aufzeigen. Zudem wurzelten alle diese avantgardistischen Bestrebungen in dem Bedürfnis, für die neue Zeit gemäße Bewegungsformen im Tanz zu entwickeln.

Initiator und Ideengeber der neuen Tänze am Bauhaus war in erster Linie Bauhausmeister Oskar Schlemmer (1888-1943), der seit 1923 die Bühnenaktivitäten leitete. Sein Anliegen war es, mit einfachen und elementaren Mitteln zu experimentieren. So galt es beispielsweise beim "Raumtanz", "Formentanz" und "Gestentanz", den Bühnenraum auf verschiedene Weise auszuschreiten und mit wenigen Requisiten bzw. Gesten zu agieren. Für die so genannten "Materialtänze" wurde jeweils ein bestimmter Werkstoff für die Kostüme bzw. Requisiten gewählt: Holz, Glas, Metall. In der Ausstellung werden zahlreiche Bild- und Textdokumente sowie Filmmaterial und Kostümrekonstruk- tionen präsentiert. Hauptleihgeber ist das Bauhaus Dessau.

Der örtliche Bezug zu Hannover ist über die ausgewählten Ausdruckstänzerinnen und -tänzer gegeben: Mary Wigman, die wohl prominenteste Vertreterin des Ausdruckstanzes in Deutschland; Yvonne Georgi, die seit 1926 als Ballettmeisterin an den Städtischen Bühnen wirkte und Harald Kreutzberg, der ab 1927 als Solotänzer Anstellung fand. Ihre Erfolge feierten sie über Deutschlands Grenzen hinaus.




Spuren der NS-Verfolgung

06.12.2018 bis 16.06.2019

Die Sonderausstellung widmet sich Besitztümern von Verfolgten des NS-Regimes und erzählt ihre Enteignungs- und Verfolgungsgeschichte. Das Kestner-Museum erwarb Kunstgegenstände, die vor 1945 Verfolgten des NS-Regimes entzogen wurden. Der Rokoko-Schrank der Hannoveraner Fabrikantentochter Klara Berliner und die Goldmünzen des Arztes Dr. med. Albert David aus Großburgwedel gehören zu diesen Erwerbungen. Sie bilden zwei Schwerpunkte der Ausstellung.

Weiterhin befinden sich in der Stadtbibliothek und im Stadtarchiv der Landeshauptstadt Hannover Bücher, die 1933 bis 1945 aus dem Besitz von Verfolgten beschlagnahmt wurden. Die Schicksale auch dieser Personen und ihrer Bücher werden in den Blick genommen.

Anlass der Ausstellung ist der zwanzigste Jahrestag der "Washingtoner Erklärung" vom Dezember 1998. Darin verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland dazu, während der NS-Herrschaft beschlagnahmte Kulturgüter zu identifizieren, deren Vorkriegseigentümer und Erben ausfindig zu machen und mit ihnen „eine gerechte und faire Lösung zu finden". Seit 2008 erforscht die Landeshauptstadt Hannover in diesem Sinne systematisch die Provenienzen (Herkünfte) des städtischen Kulturgutes. In der Ausstellung werden erstmals die bisherigen Ergebnisse und aktuellen Probleme der Provenienzforschung im Museum August Kestner, im Historischen Museum am Hohen Ufer, im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek der Öffentlichkeit präsentiert.

Den Besuchern werden die komplizierten Wege geschildert, auf denen die Objekte in den Besitz der Landeshauptstadt Hannover gelangten. Außerdem werden die schwierigen Bemühungen der Provenienzforschung verdeutlicht, berechtigte und ungerechtfertigte Erbansprüche voneinander zu unterscheiden und die heute in aller Welt verstreuten Erben dieser Verfolgten des NS-Regimes ausfindig zu machen.








Neuerwerbung
für das Museum August Kestner

DAS ‚REHBERG-ALBUM‘
– Freundschaftsbuch und Souvenir aus Rom

Im Frühjahr 2018 konnte für das Museum August Kestner mit Mitteln verschiedener Stiftungen und Förderkreise ein für die Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Hannover wichtiges Werk erworben werden: das sog. Rehberg-Album.

Das Rehberg-Album ist ein außergewöhnliches kulturhis- torisches Zeugnis. Es spiegelt als typisches Zeitphänomen der Romantik und des Biedermeier die deutsche Italiensehnsucht wider; in besonderer Weise dokumentiert es auch Hannovers internationale Beziehungen und ist ein Beispiel für den kulturellen Austausch mit dem deutschen Sehnsuchtsziel. Dieses spiegelt sich daher auch in der Vielfalt der Motive wider. Es ist während des Italienaufenthalts (1828-1830) der Familie des hannoverschen Staatsmannes August Wilhelm Rehberg (1757-1836) entstanden. Während dieser Zeit war August Kestner nicht nur aufgrund seiner dienstlichen Verpflichtungen als diplomatischer Vertreter für das Wohl der Gäste verantwortlich. Auch auf kultureller Ebene wirkte er für die Rehbergs als ‚Cicerone‘ und Türöffner zu den römischen Künstlerkreisen.

Die kulturhistorische Bedeutung des Albums und die Sammlungsgeschichte verweisen ohne Zweifel auf Hannover und das Museum August Kestner. In diesem Album, das wie ein Freundschaftsbuch Erinnerungen an Rom festhält, sind Zeichnungen verschiedener, zum Kreis der ‚Deutsch-Römer‘ gehörenden Künstler vereinigt, darunter einige, die ihrerseits einen besonderen Bezug zu Hannover bzw. Niedersachsen haben. Es enthält neben denen von August Kestner und Bertel Thorvaldsen Blätter von den ‚niedersächsischen‘ Malern Wilhelm Ahlborn, Johannes Riepenhausen und Friedrich Rehberg.

Die Bedeutung des Objekts für die Sammlung des Museum August Kestner liegt in der Person August Kestners. Er verbrachte 36 Jahre seines Lebens in Rom. Während dieser Zeit pflegte er – im besten Sinne als künstlerischer und wissenschaftlicher Dilettant, Sammler und Mäzen – enge Künstler- und Wissenschaftlerfreundschaften, die sich insbesondere im Kreis der sog. Deutsch-Römer sowie im von ihm mitbegründeten Instituto di Corrispondenza Archeologica, der Vorgängerinstitution des Deutschen Archäologischen Instituts, abspielten. Kestner wurde zu einem wichtigen bürgerlichen Akteur auf dem römischen Kunstmarkt, auf dem er im Laufe der Zeit seine umfangreiche Sammlung, bestehend aus Antiken, Aegyptiaca, Kunsthandwerk und Gemälde, zusammentrug, die schließlich zum Gründungsbestand des Kestner-Museums (gegr. 1889; seit 2007 Museum August Kestner) in Hannover wurde.

Der Erwerb wurde ermöglicht durch die großzügige Förderung von: Kulturstiftung der Länder, Ernst von Siemens Kunststiftung, Stiftung Niedersachsen, Kunst- und Kulturstiftung Hannover und dem Freundes- und Förderkreis „Antike & Gegenwart e.V."


Myssok, Johannes:
Deutsche Künstler in Rom um August Kestner und Bertel Thorvaldsen
DAS REHBERG ALBUM
2012, 80 Seiten, 61 Abbildungen
ISBN 978-3-86887-010-7





GOETHE - VERWANDLUNG DER WELT
17.05. bis 15.09.2019 in Bonn, Bundeskunsthalle

Johann Wolfgang Goethe hat wie kein zweiter Dichter seiner Zeit jene Veränderungen reflektiert, die um 1800 die politischen, ökonomischen und kulturellen Fundamente Europas erschütterten. Zugleich war der 1749 in Frankfurt am Main geborene und 1832 in Weimar gestorbene Autor ein überaus wandlungsfähiger Künstler, der auf den Anbruch der Moderne mit immer neuen literarischen Weltentwürfen reagierte. Mit seinen Dichtungen, die in unzählige Sprachen übersetzt wurden, hat Goethe viele Künstler zu eigenen Schöpfungen inspiriert. Figuren wie Werther oder Faust eroberten alle Kunstgattungen und sämtliche Sparten der Populärkultur.

In den kulturellen und weltanschaulichen Auseinandersetzungen des 19. und 20. Jahrhunderts stilisierte man Goethe vielfach zu einer Autorität. Immer wieder berief man sich auf sein Oeuvre, das diesseits wie jenseits der nationalen Grenzen als Manifestation einer spezifisch deutschen Kultur wahrgenommen wurde. Heute, im 21. Jahrhundert, gilt Goethe als Pionier des interkulturellen Dialogs und als Vorläufer einer im Zeichen der Aufklärung stehenden Weltliteratur.

Die auf neuesten Forschungen basierende Ausstellung in der Bundeskunsthalle porträtiert Goethe als aufmerksamen Beobachter der anbrechenden Moderne und zugleich als Mitbegründer der modernen Kunst. Beide Aspekte werden unter dem Titel Verwandlung der Welt gebündelt und wechselseitig aufeinander bezogen. Zeit seines Lebens hat Goethe sowohl die Chancen als auch die Gefahren der gesellschaftlichen Modernisierung reflektiert. Er erkannte die Fortschrittspotenziale der europäischen Aufklärung und warnte zugleich vor den Zerstörungskräften der Industriellen Revolution. Die Auswirkungen einer zunehmend kapitalistischen Wirtschaftsordnung rückten ebenso in den Mittelpunkt seines Oeuvres wie die Perspektiven einer neuen und von traditionellen Vorgaben abgelösten Kunstauffassung. Die Ausstellung vergegenwärtigt aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wie facettenreich sich die frühe Moderne in Goethes Biografie und in seinem künstlerischen Schaffen spiegelt.




© Foto: E. Consemüller, 1927 Stiftung Bauhaus Dessau
Bühnenklasse Bauhaus Dessau









© Foto E. Consemüller, 1927
Stiftung Bauhaus Dessau
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